Sochocin 2004
Trainingslager in Sochocin (Polen)

Es begab sich, dass an einem ruhigen Tag im Juli eine Truppe badmintonbegeisterter Menschen den Ostbahnhof Berlins aufsuchte, um in ein fernes Land zu reisen, in dem Gerüchten zu folge mehr in Deutschland zugelassene Automobile unterwegs sein sollen als in Deutschland selbst. Die Rede ist natürlich von Polen. Die Erwartungen waren groß. Die Trainer Lutz, Patrick und Katja erwarteten zunächst 24 gesunde Spieler und siehe da sie wurden erhört. Das Motto lautete also : „Tränen wegdrücken, Mama und Papa tschüß gesagt und rein in den Zug.“ Nach einer Stunde Zugfahrt gabelten wir dann noch Steffi und Anika in Frnkfurt\Oder auf und waren somit vorerst komplett. Die Fahrt gestaltete sich zu einem netten „miteinander warm Werden“, so dass die sechs Stunden fahrt bis Warschau wie im Flug vergingen. Und das man bei einer Grenzüberquerung auch wichtige Lektionen lernen kann ist nun auch allen bewusst.

Lektion diesmal :  „Timo die Mongolei liegt nicht in Europa und ist somit kein Mitglied der europäischen Union !!! Ein gültiges Visum ist also bei der Einreise von Deutschland nach Polen eine nette Voraussetzung, um unnötigen Stress mit polnischen Grenzbeamten zu vermeiden.“merken für`s nächste Mal. In Warschau wartete schon der Bus auf uns und nach einer guten Stunde fahrt kamen wir an unserem „ auf Zeit zu Hause“ in Sochocin an. Die Stimmung, die Bedingungen waren hervorragend und so konnte der Trainingsalltag beginnen oder wie ältere Menschen lustig auf Postkarten schreiben: „ Wetter gut, Essen lecker und Stulgang OK, Aufendhalt kann beginnen".

 

Beim Besichtigen der Halle dann der erste Schock. Die polnischen Trainer hatten bis auf zwei Ausnahmen nur Spieler unter 15 Jahren dabei. Dies jedoch stellte sich im Laufe des Lagers nicht als allzu großes Hindernis heraus, da das Spielniveau der Polen größtenteils dem unserer Spieler angepasst war und in Sachen Einsatzwillen und Trainingsbereitschaft selbst die kleinsten Polen mit gutem Beispiel voran gingen. Der erste Abend wurde genutzt um die Halle mit einem leichten Training kennen zu lernen und um sich einzugewöhnen.

Der nächste Morgen jedoch war dann der Startschuss für alle. Zum ersten mal stand der morgendliche Waldlauf an und die Körper wurden erstmals gefordert. Es war ein Stöhnen und Zaudern sondergleichen, doch da wusste ja auch noch niemand, dass genau dieser Morgenlauf durch die tägliche Ausführung am Ende allen leicht fallen würde. Nach dem Frühstück wurde dann erstmals in drei Gruppen trainiert, wobei die polnischen und deutschen Spieler gemischt wurden.
Eine der Gruppen übernahm Lutz, eine immer Leschek oder sein Sohn Jacek also die polnischen Trainer und eine Gruppe wurde den Trainerküken Katja oder Patrick zur Obhut übergeben. Da man jedoch schwerlich über 40 Kinder in einer Sechsfeldhalle gleichzeitig unterbringen kann, trainierten die Gruppen erstens zeitlich versetzt voneinander und\oder eine der Gruppen hatte Waldtraining, was bedeutete, dass diese Gruppe dann in freier Natur am Wachstum ihrer Sprintfähigkeit arbeiten durfte oder ihre koordinativen Fähigkeiten verbessern konnte. Alles natürlich unter Anleitung und Aufsicht eines Trainers. Im Klartext heißt das soviel wie, sie durften sich also die Seelen aus dem Laib sprinten oder Stabilitätskraft- und Racketspeedübungen machen.  
So gestalteten sich dann auch die Tainingstage. Zum einen Technik-, Spiel- und Krafttraining in der Halle und zum anderen das erwähnte Programm außerhalb der Halle. Dass sich da irgendwann Trißtess einstellt ist klar.

Was macht man da ? Erstens Turniere einschieben (vier an der Zahl- zweimal Einzel, zweimal Doppel) und zweitens anstelle von Vormittagseinheiten auch mal in die Schwimmhalle fahren.

In der Schwimmhalle lernten die Spieler dann auch schnell ihre zweite Lektion für´s Leben.

 

Lektion 2 : Versuche niemals einen Lutz Friedrich im Wasserwrestling zu besiegen, denn es ist schier unmöglich. Wer nämlich beide Komponenten des modern Wasserkampfes (technische Klasse und körperliche Masse) in sich vereint, braucht sich auch nicht vor einer multiplen Anzahl von Gegnern zu fürchten.

Die älteren Spieler, welche diese Lektion schon in den vergangenen Jahren verinnerlicht hatten, steuerten beim betreten der Schwimmhalle auch schon zielgesteuert wie Lemminge den Whirlpool an, aus welchem sie nur durch äußerste Verlockungen wie beispielsweise einem Arschbombencontest zu entlocken waren. Einziges Manko am Besuch der Schwimmhalle war der zu geringe Zeitrahmen, der sich lediglich auf eine Stunde erstreckte.

Aktivitäten außerhalb des Trainingsuniversums

Man stelle sich vor, man ist in einem anderen Land, trainiert den ganzen Tag und die Hauptattraktion des Ortes ist ein Tante Emma Laden, welcher 24 Stunden am Tag geöffnet hat und das dann gedehnt auf die Zeit vom 23.7.04 bis 3.8.04 . Hört sich langweilig an, sagen die einen. Hört sich nach Lagerkoller an, sagen die anderen. Doch weit gefehlt. Denn wie wir alle aus der Werbung wissen :“Spaß ist, was ihr daraus macht.“ Gesagt – Getan

Um dem Trott vorzubeugen gab es nämlich die geselligen Abende mit Spiel, Spaß und Unterhaltung. Dazu gehörten zwei Discoabende, ein Bingoabend (nein man gewinnt nicht automatisch wenn man in jeder Runde Bingo brüllt Michal) und ein Lottoabend, bei dem sich herausstellte, dass wir zwar alle mit mehr oder weniger Talent für das Spielen eines Ferderballs ausgestattet sind, jedoch mit Zahlen irgendwie kein Glück zu haben scheinen. Die beiden besten Abende waren allerdings der Tanzabend und der Abend der Miniplayback-Show.

 

Tanzabend heißt, dass eine Traube von zirka 20 Tanzpaaren versucht, durch zumeist (jedoch nicht nur) unkoordinierte zueinander gerichtete Bewegungen, den Rauswurf der überaus kritischen aber durchaus fairen Jury zu entgehen. Und wer als letztes Paar auf der Tanzfläche verweilt , in diesem Fall also wirklich tanzen kann, hat dann gewonnen. Die Paare waren wild gemischt. Deutsche und Deutsche, Polen und Polen, Deutsche und Polen und was erwähnenswert ist unter jenen auch Jungen mit Jungen, da die Anzahl der Herren die der Damen überstieg. Es wurde getanzt, es wurde gelacht und am Ende war es ein Start und Ziel Sieg für die haushohen Favoriten Saruul und Anica. Beim Anblick dieses Tanzpaares warf sich die berechtigte Frage auf, ob Quentin Tarantino bei der Besetzung der Tanzszene für Pulp Fiction nicht doch die falsche Wahl getroffen hat oder den Film vielleicht noch einmal drehen sollte.

Der Höhepunktabend aus meiner Sicht war jedoch die Miniplaybackshow.

Eines mal vorweg. Alle waren Klasse !!!!!! Ob nun die kleinen polnischen Spieler mit ihrem O-Zone Sommerhit, Steffi mit Wir sind Helden, Lisa, Franzi und Franzi mit Wonderwall oder alle ( Entschuldigung, kann doch nicht jeden nennen)  anderen. Zwei Auftritte stachen aber alle aus. Dennis, Fabi, Saruul und Tom samt selbst gebauter Bühnendekoration mit Linkin Park und Shagoto, Timo, Tobi, Ronny und Sepp mit ihrem indischen Chartbreaker, dessen Namen und Titel ich bis jetzt noch nicht kenne. Die fünf Letztgenannten bestachen durch gute Songauswahl (Ohrwurmqualität) und eine auf das letzte ausgetüftelte Tanzeinlage, die das Publikum in Ekstase versetzte. Die vier Herren jüngeren Geburtsdatums hingegen lieferten eine energiegeladene Bühnenshow die keine Ansprüche offen ließ und vor allem Tom zeigte, dass Stille Wasser eine Tiefe erreichen können die tödlich sein können. Das Playbackprinzip wurde zwar mal schnell übergangen und live mitgesungen, dem Publikum jedoch blieb nichts anderes übrig als Gänsehaut zu bekommen und den Olymp des Rock zu bestaunen. Glücklicherweise wurden Preise in mehreren Kategorien vergeben, so dass am Ende keine dieser beiden Gruppen mit leeren Händen dastehen musste.

 

Unglücklicherweise geht alles mal zu Ende und so wurden nach guten zwei Wochen die Koffer wieder gepackt, die E-mailadressen ausgetauscht und die Heimreise angetreten. Es war ein gutes Lager und ich hoffe wir sehen uns nächstes Jahr dort alle wieder, um uns vernünftig auf die Saison vorzubereiten.

WE`LL BE BACK !!!!!!!!